Mithaftung bei Verkehrsunfall wegen hoher Geschwindigkeit!

Das OLG Koblenz hat mit Urteil vom 14.10.2013 entschieden, dass einen Verkehrsteilnehmer, der auf einer deutschen Autobahn mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h bei Dunkelheit fährt, eine Mithaftung von 40% an einem Verkehrsunfall alleine wegen dieser hohen Geschwindigkeit trifft. Wer mit seinem Pkw 200 km/h fährt, setzt den Spielraum zur Vermeidung eines Unfalls fast auf Null. Auf Verkehrssituationen kann dann meist nicht mehr rechtzeitig reagiert werden, was zu einer Mithaftung führt, auch wenn der Unfallgegener einen schwerwiegenden Fahrfehler begangen hat.


In der Hauptverhandlung des entschiedenen Falles wurde unter anderem durch ein verkehrsanalytisches Sachverständigengutachten festgestellt, dass der Sohn des Klägers unter Benutzung zweier Fahrbahnen auf die Überholspur ausgeschert war, ohne den von hinten mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h herannahenden Beklagten zu beachten. Der Sachverständige hatte festgestellt, dass zu dem Zeitpunkt, als sich der Sohn des Klägers zum Ausscheren entschlossen hatte, das von dem Beklagten geführte Fahrzeig bereits in seinem Sichtbereich befunden hatte. Bei ordnungsgemäßer Beachtung des rückwärtigen Verkehrs hätte der Sohn des Klägers die Kollision durch Abbrechen des Überholvorgangs vermeiden können.


OLG Koblenz: "Der Sohn des Klägers hat sich somit nicht so verhalten, dass eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs bei seinem Überholvorgang ausgeschlossen war (§ 5 Abs. 4 StVO). Er hat einen "doppelten Fahrstreifenwechsel" zu einem Zeitpunkt durchgeführt, zu dem er den herannahenden PKW des Beklagten zu 1. bereits hätte sehen können und müssen."


Nach der Entscheidung des OLG Koblenz stellte der Verkehrsunfall für den Beklagten zu 1. jedoch kein unabwendbares Ereignis im Sinne des § 17 Abs. 3 StVG dar. Er hätte sich hierfür wie ein "Idealfahrer" verhalten müssen. Ein "Idealfahrer" fährt jedoch nicht schneller als die Richtgeschwindigkeit, welche 130 km/h beträgt. Eine andere Wertung kann nur dann gezogen werden, wenn der mit hoher Geschwindigkeit fahrende Fahrer nachweist, dass sich die Kollision auch bei Einhaltung der Richtgeschwindigkeit in dieser Form ereignet hätte.

In dem hier vorliegenden Fall hätte die Kollision bei Einhaltung der Richtgeschwindigkeit von 130 km/h jedoch bereits durch eine mittelschwere Bremsung vermieden werden können. Ein Unvermeidbarkeitsnachweis konnte daher nicht geführt werden.

Da die Kollision somit für keine der beiden Unfallparteien unvermeidbar war, musst eine Abwägung der Verursachungsbeiträge nach § 17 Abs. 1 StVG durchgeführt werden. Auf der einen Seite war das erhebliche Verschulden des Ausscherenden zu berücksichtigen, auf der anderen Seite die gegenüber der Richtgeschwindigkeit deutlich erhöhte Geschwindigkeit des von hinten herannahenden Fahrzeugs. Hierbei war auf Grund der Geschwindigkeit von 200 km/h von einer deutlich erhöhten Betriebsgefahr auszugehen. Diese erhöhte Betriebsgefahr resultiert daraus, dass die Richtgeschwindigkeit um ca. 60% überschritten und hierdruch ein erhebliches Gefahrenpotential geschaffen wurde. Die Richtgeschwindigkeit ist gerade dafür empfohlen worden, um Gefahren herabzusetzen, die aus dem Betrieb eines Kraftfahrzeugs mit hoher Geschwindigkeit erfahrungsgemäß resultieren. Wer, insbesondere bei Dunkelheit, die Richtgeschwindigkeit in derartigem Umfang ignoriert, führt zu Gunsten seines eigenen schnellen Fortkommens den gegebenen Spielraum für die Vermeidung eines Unfalls nahezu gegen Null. Eine Geschwindigkeit von 200km/h ermöglicht es in der Regel nicht mehr, Unwägbarkeiten in der Entwicklung einer regelmäßig durch das Handeln mehrerer Verkehrsteilnehmer geprägten Verkehrssituation rechtzeitig zu erkennen und sich darauf einzustellen. 

Aufgrund dieser Übrlegungen stufte der Senat des OLG Koblenz die Mithaftung des von hinten herannahenden Pkw´s mit 40% ein.


Die Entscheidung zeigt, dass gerade bei der Bewertung der Mithaftung bei einem Verkehrsunfall, die Umstände des Einzelfalls entscheidend sind. Vertrauen Sie auf die Erfahrung von Rechtsanwalt George Andreas als Fachanwalt für Verkehrsrecht und lassen Sie sich bei JEDEM Verkehrsunfall fachkundig beraten und vertreten. Ein erstes Informationsgespräch ist hierbei in der Regel kostenlos. Kontaktieren Sie die Anwaltskanzlei Andreas, Allersberger Str. 185, 90461 Nürnberg, unter der Rufnummer 0911 - 59611971 oder auch per E-mail unter info@anwaltskanzlei-andreas.de. Für den Fall des vollständgen Verschuldens des Unfallgegners trägt dessen Kfz-Haftpflichtversicherung auch die entstehenden Rechtsanwaltskosten.